Deutschland, Deine Döner - Was essen wir da eigentlich? | SWR betrifft

Der Döner - er gehört zu den liebsten Fast-Food-Gerichten der Deutschen. Geschätzt 16.000 Döner-Imbisse und Döner-Restaurants gibt es in Deutschland. Milliardenumsätze werden mit dem Döner-Fleisch am Drehspieß gemacht. "Betrifft" wirft einen Blick auf die rasante Erfolgsgeschichte des Fastfood-Klassikers, der freilich öfter schon unter Gammelfleisch-Verdacht geriet. Und fragt: Döner - Was essen wir da eigentlich?

Eine Sendung des SWR von vor zwei Jahren - 07.07.2018!!! Und anscheinend nix hat sich geändert!!!


stuttgart - das Dönerlokal Alaturka... hier gibt's den besten Döner der Stadt!
13: 46 Was sich hier vor dem Grill dreht, das ist kein Fertigspieß aus der Fabrik. Diesen Spieß hat der
Wirt am Morgen selbst gemacht - aus schieren Fleisch in Scheiben! Er mache alles hier selbst, sagt er - sogar das Brot.
"Wir verwenden keine Zusatzstoffe, das hat Yüxel Doan - der Man hinter dem Tresen hier zum Prinzip erklärt: "Da kommen keine Zusatzstoffe rein.
Zusatzstoffe ist eine Droge, eine Gift!"



2:10 Heute ist noch genug da für alle. Aber wissen die Kunden eigentlich genau, was sich da am Spieß dreht?
Passantin: "Ich gehe davon aus, dass das drin ist was ich sehe - nämlich Fleisch und oben drauf, als Gewürz eine Zwiebel
und ein paar Paprikas, so Peperonis. Und ansonsten gehe ich davon aus, dass da nichts weiteres drin ist."
So oder ähnlich denken wohl die meisten Besucher von Döner-Impissen: Sie glauben an das Versprechen von purem Fleisch.
Rind, Lamm oder Geflügel - aber stimmt das auch?

Aber in anderen - den meisten Imbissen: Den fertigen Spieß kaufen sie tiefgekühlt aus einer Fabrik. Kontrolleure unterwegs...
Auf dem Etikett 22 Zutaten: "Das ist ein Hackfleisch-Drehspieß gewürzt, da ist dann noch Wasser, Paniermehl, Salz, Sojaeiweis, Erpsenstärke,
Gewürz - auch mit Senf - Emulgator, Geschmacksverstärker, gekörnte Brühe, Hefeextrakt - auch als Geschmacksverstärker sicherlich...
 -  auf die Frage was drin ist: "Wir wissen es nicht!"
5:22 Prüfen die Kontrolleure also auch die Inhaltsstoffe?
Kontrolleur: "Was der in seinem Produkt angibt, dass kann eigentlich nur herausgefunden werden, wenn's untersucht wird.
Mann muss sich dann auf die Ehrlichkeit von dem Hersteller verlassen, dass seine Angaben stimmen."

Auf die Ehrlichkeit verlassen - das überrascht uns!
Das was dieser Imbis verkauft, besteht zum grüßten Teil aus Hack - nicht aus ganzen Fleischscheiben.
Deshalb darf das hier auch nicht mehr Döner heißen, sondern nur noch "Spieß nach Döner-Art".

Proben nehmen die Kontrolleure nur dann, wenn diese im Untersuchungsamt ausdrücklich angefortet werden. Doch das geschieht pro Betrieb
etwa nur einmal im Jahr.
24 Kontrolleure für ganz Stuttgart für 11.100 Lebensmittelbetriebe!!!  
"Wenn man dann immer nur gerade das Feuer löscht, dass am größten brennt - das ist uneffektiv!

Was sich da dreht: "Spieß nach Döner-Art mit Grenzrezeptur".

11:10 Doch Dr. Kunze und sein Kollegen finden noch mehr im Hack, was eigentlich keiner esssen will: Phosphat!
Ein Verdickungsmittel, um das vom Hersteller beigemengte Wasser zu binden.
Ohne Phosphat würde der wässrige Hackfleischspieß auseinander fallen.
Im "Spieß nach Dönerart, darf der Höchstwert bei 5g Phosphat pro Kilogramm liegen.

11:50 Phosphat in Lebensmitteln - ist das gesund?
Wir fragen nach bei einem Ernährungsmediziner. Dr. Matthias Riedel aus Hamburg:
"Mann muß klar unterscheiden zwischen natürlichen Phosphat, das in Nüssen, Getreideprodukten, auch im Fleisch vorkommt.
Das wir von uns im Körper nur schlecht aufgenummen.
Im unterschied dazu ist das den Nahrungsmitteln zugesetzte künstliche Phosphat ein Überschwmmung unseres Körpers,
es wird aufgesogen und überschwemmt unseren Körper mit diesen künstlichen Phosphat und das wirkt sich in einer beschleunigten
Alterung des Körpers aus.
Und das gravierenste ist, dass Menschen mit einer Vorschädigung der Niere damit eher versterben.
Und wir gehen davon aus, dass einige tausend Totesfälle im Jahr, in Deutschland auf eine zu hohe Aufnahme an künstlichen Phosphat zurück
zu führen sind."
Die Bedenken wegen zu viel Phosphat im Döner teilen viele Ärzte.
Auch das EU-Parlament hat sich 2017 mit dieser Frage befasst. Konnte sich aber auf kein Verbot einigen - Die Studienlage sei nicht ausreichend!

13:11 Riedel: Ich finde die Entscheidung des EU-Parlamentes skandalös, weil wir in den letzten Jahrzehnten eine dramatischen Zunahme der
Phosphataufnahme verzeichnen. Alle Wurstwahren in den Supermärkten, die schon geschnitten sind, sind stark phosphathaltig - und sogar
Bio-Produkte können Phosphate enthalten. Man sollte also immer schauen, ob da Bi-, Tri-Phosphate enthalten sind, im Beschreibunszettel
zum Produkt (Etikett, Inhaltsstoffe) - und diese Produkte meiden. Damit kann man sein persönliches Risiko reduzieren!.
 



31:25 "Gerade kommt die neue Fleischlieferung rein - aus Polen.
Den noch immer hohen Fleischverbrauch der Deutschen können hiesige Schlachthöfe nicht alleine decken.
Außerdem ist Polnisches Fleisch viel billiger. Jungbullen bis zu 15%. Bei 10 Tonnen Fleisch ein Preisunterschied von 5000 Euro.
Dönerfaprikant Hakan Özugul sagt, er müsse ständig aufpassen, nicht übers Ohr gehauen zu werden.
Özugul: "Die Fleischbranche ist ja die gößte Mafia - Mafia in meinen Augen - die ist so von katastrophal. Wenn 50 Kisten uns angeliefert werden,
werden in den 50 Kisten hundert Prozent eine Kiste vergammeltes Fleisch angeliefert."
...
31:50 Gammelfleisch in fast jeder Lieferung - Hakan Özugul schickt sie regelmäßig zurück.
Andere Dönerproduzenten tun dies hoffentlich auch.

In der Tat hat die Türkei 2016 drei mal so viele Schlachtrinder importiert, wie im Vorjahr. Fast 450.000 Tiere - Tendenz steigend.
Was passiert da in der Türkei?
Immobilienboom - Bauern verkaufen Weideland als Baugrund. Jetzt wachsen hier Siedlungen, wo früher Rinder und Lämmer grasten.
Das Fleisch wird knapp...

38:20 Doch der europäische Markt wird weiter dominiert von billigem Fleisch!
Produziert von billigen Arbeitskräften an den Fließbändern der Fleischfabriken.
In Deutschland gab es in der Vergangenheit mehrfach Skandale rund um die Ausbeutung ausländischer Arbeiter.
Die wurden nicht direkt beim deutschen Schlachthof angestellt, sondern bei Subunternehmen.
Die wiederum beschäftigten vorallem Osteuropäer deutlich unter dem gesetzlichen Mindestlohn.
Hinzu kamen noch Gehaltsabzücge für Arbeitsgerät und desolate Wohnungen.
Seit Juni 2017 soll ein neues Gesetz diesen Zuständen ein Ende machen.
Jetzt haftet der deutsche Schlachthof mit Geldstrafen - auch für Verstöße seiner Subunternehmer.
Was hat sich mit dem neuen Gesetz für die ausländischen Arbeiter geändert?